die sache mit der konfektionsgröße

den andren tag hab ich aus dem internet kleidung bestellt. kurze hosen, weil lange hosen im sommer kleben, und ein dunkelblaues polohemd, weil man davon nicht genug haben kann und bei dunklen sachen schlecht dicker mann-männerbrüste erkennbar sind.

3 wochen nach meiner bestellung kam der kram dann auch an. freudig riss ich das paket auf. kein mensch mit einer unrealistischen selbsteinschätzung, war ich natürlich so schlau und bestellte die hose in 3xl und das hemd in 4xl. also xxxl und xxxxl. wieder ein nachthemd erwartend, wie das eine mal, als ich 5xl bestellte – das t-shirt darf ich übrigens nie wieder tragen, weil ich darin wie ein 13jähriger hip hopper aussehe, aber das ist eine andere geschichte – probierte ich also das hemd als erstes an. und es saß perfekt. wie eine zweite haut. könnte man gut ein polohemd zu anziehen.

theorie 1: john candy lässt grüßen
theorie 2: das zeug wird in asien hergestellt, also sind das asiatische größenangaben
theorie 3: der transport erfolgte in einem bassin voller kaltem wasser, die post nennt dies „frischetransport“
theorie 4: meine haut besteht aus hefe und das hemd wurde hergestellt aus „über nacht im kühlschrank stehen lassen“

bevor die theorien jedoch überhand nehmen konnten, probierte ich die hose an. sofort fühlte ich mich an die französische riviera versetzt, eine badehose hatte ich ja bereits an. schamesröte schoss mir ins gesicht. immerhin konnte nun jeder erkennen, wie performativ ich im falle eines falles sein könnte. ich pellte mich also aus hemd und hose und wog meine optionen ab. offenbar hatten die engen hosen ihnen nicht geschadet, also wühlte ich in dem paket auf der suche nach dem retourschein. ihn in der hand haltend ging ich die möglichen rücksendegründe durch und entschied mich für „der artikel entspricht nicht meinen vorstellungen“. perfekt. jetzt würde der retourenentgegennehmungsmensch niemals davon ausgehen, dass ich ein gewichtsproblem habe.

und nun? ich dachte, sport wäre eine gute idee.

basketball. schnell einen basketballkurs in der uni gesucht und hingegangen. wie ich später in den rtl2 nachrichten erfuhr, gibt es an der uni magdeburg ein programm namens „studieren ab 50“. so gesehen war es also die schuld von rtl2, dass es mir tage zu spät bewusst wurde, wie sehr ich mich in der umkleidekabine blamierte mit den worten „AHAHAHA, was machen sie denn hier? sind sie nicht zu alt für unisport?“. doch erst kam am nächsten tag die ernüchterung, als ich beim aufstehen die bedeutung des begriffes „knie-AIDS“ erfuhr. die nächsten vier tage lief ich wie eine schwule promiskuitive ente.

wirbelsäulengymnastik. genau so spannend wie es klingt. auf einer isomatte liegend „entspannungsmusik“ hören und irgendwelche übungen nachturnen. immerhin viele weibliche teilnehmer, die jedoch bei jedem blickkontakt die mimik einer adelsdame des 18.jahrhunderts aufsetzten, der man gerade direkt ins gesicht gesagt hat, dass man sie „ficken“ will.

„nordic walking“. sofort schossen mir sämtliche assoziationen zu dem thema in den kopf: nordisches marschieren, pummelige schweden, thomas brolin. google klärte mich dann darüber auf, dass die gängigen vorurteile rentnersport, trockenski und hundelose stöckchenselbstapportierer waren. mit diesem wissen bewaffnet machte ich mich also auf. war auch eigentlich – abgesehen von der scham, die man dabei verspürt – nett. als ich dann jedoch zwei donnerstage 90 minuten damit verbrachte, mit der kursleiterin unter anderem über die lärmbelästigung durch die frösche im teich ihrer nachbarn auf der südseite ihres hauses zu sprechen oder wie fannah roland kaiser doch ist, verlor ich irgendwie das interesse.

taijiquan. ich stellte es mir wie einen bruce lee film vor, nur langsamer. tatsächlich war es aber sowas wie ballett, kombiniert mit irgendwelchen esotherischen atemübungen und außerdem der scheinbar einzige sportkurs, in dem man enge schwarze rollkragenpullover trägt. genau das richtige für mich. nach der stunde tauschten wir emotional einschneidendes aus wie die gefühle bei unserer ersten periode und kämmten uns dabei gegenseitig die haare während wir am lagerfeuer saßen und „eternal flame“ intonierten.

konditionsgymnastik. das ist sowas wie zirkeltraining früher in der schule. die gute nachricht: anscheinend sind hot pants mittlerweile auch sporthosen. die schlechte: jeder, der anwesenden 200 personen in der halle, außer mir, kann mit seinem fuß unter zuhilfenahme seiner hand den eigenen arsch berühren. demnächst werde ich wohl dabei umfallen und deshalb dann den sportkurs wechseln. wahrscheinlich „behindertensport“, ich brauch jetzt einfach ein erfolgserlebnis.