die sache mit den schwarzen plastikgestellbrillen

den anderen tag war ich mit den leuten im kino, sneak preview stand an. da standen sie dann wieder. diese leute mit ihren rollkragenpullis und ihren schwarzen plastikgestellbrillen.

schublade auf.
diese kulturwissenschaftler, die jeden david lynch film auch ohne komplettlösung aus dem internet verstehen. bestimmt treffen die sich nach dem film auf ne flasche wein und ein bisschen käse. huren.
schublade zu.

da das so ein multiplexkino war, wo es saubere klos, teppiche, rauchverbot, angestellte und mehr einträge auf der snackkarte gab als nur „popcorn und nüsse“, wollten wir uns ein paar pizzen, teppiche und hygieneartikel kaufen und standen deshalb an. als wir an der reihe waren, bestellten wir. leider gab es in der auslage nur noch eine “frische” pizza. ich sagte „es wäre schön, wenn sie jetzt mehr frische pizzas haben würden.“ der verkäufer zuckte zusammen, seine schwarze plastikgestellbrille war mir vorher gar nicht aufgefallen.

schublade auf.
diese sprachwissenschaftler, die bei der bloßen verwendung des konjunktivs erotische höhepunkte erreichen. der plural von pizza ist pizzen? aber pizzas ist auch ok, oder? da bin ich ja erleichtert, für eine sekunde dachte ich, nicht richtig reden zu können. huren.
schublade zu.

ich lächelte und bestellte dann als alternative eine neue frisur und eine prostatakrebsfrüherkennungsuntersuchung. ich wollte gerade einen zehner herausholen, als mich der tresenprofessionelle in meiner bewegung unterbrach mit dem satz „gäben sie mir noch 4 cent, erhielten sie genau einen euro.“. ich hatte das gefühl, dass seine pupillen beim aussprechen dieses satzes kurz in richtung seines hinterkopfes verschwanden und seine lippen ein kurzes “mhh” ausstießen. ich steckte den zehner wieder ein, legte einen 15e american express travellers cheque auf den tisch und lachte meine leute geräuschlos mit weit aufgerissenem mund an.

schublade auf.
möchtegernstromberg. cartman. helmut kohl mit der hand am lichtschalter. hure.
schublade zu.

der verkäufer reagierte überraschend freundlich und wies mich darauf hin, dass er auf diesen cheque kein geld rausgeben dürfe. ich fügte der bestellung 51 servietten a 10 cent hinzu. als wir alles erhielten, stapelte ich die 51 servietten übereinander, legte sie auf meine flache hand und ließ sie wie islamisten auf einer mission durch schnelle handstreichbewegungen in richtung des professionellen fliegen. der verlor schneller seinen humor als roland kochtler vor einer wahl, griff sich das walkie talkie von seinem gürtel, hielt es vor seinen mund und nuschelte “wir haben hier ein problem an der 4” hinein. es erschienen zwei kleine solariumsdauerkartenbesitzer mit brillis in beiden ohren.

schublade auf.
solariumsdauerkartenbesitzer mit brillis in beiden ohren.
schublade zu.

sie sprachen kurz mit dem professionellen und bauten sich anschließend vor mir auf. ich überlegte kurz, ob sie einen bud spencer-slapstickfausthieb auf den kopf lustig finden würden, entschied mich aber dagegen, weil sie zu reden begannen. „sie haben hier ab sofort hausverbot. bitte verlassen sie unsere geschäftsräume.“ erneut überlegte ich kurz, ob sie einen bud spencer-slapstickfausthieb auf den kopf lustig finden würden, erneut entschied ich mich aber dagegen, da unter ihren verschränkten armen die ansätze von waffenholstern erkennbar wurden. die leute verabschiedeten sich von mir – freundschaft ist anscheinend ansichtssache – und ich verließ das kino. ich schlenderte ein wenig die straße entlang, bis ich aus einer seitenstraße plötzlich rufe hörte. ich ging ihnen entgegen, da sie wie schreie nach liebe klangen. bei den leuten angekommen, musterte ich sie erst einmal. die trugen alle schwarze kapuzenpullis und vans oder chucks.

schublade auf.
che guevara poster an der wand der wg-küche. „das kapital“-leser. zecken.
schublade zu.

ich eröffnete das gespräch mit einem „und warum findet ihr, dass nazis hurensöhne sind?“, worauf sie mit einer kombination aus schlagringschlägen ins gesicht und baseballschlägerschlägen auf den körper antworteten. als ich wieder erwachte, lag ich in einem leeren krankenhauszimmer. der polizist, der meine zeugenaussage aufnahm und mich darüber aufklärte, dass das nazis waren, war mein einziger besuch während dieser zeit, also verbrachte ich sie mit dem nachttisch und ging mit diesem meinem liebsten hobby nach: schublade auf, schublade zu, schublade auf, schublade zu…