darüber, dass chuck norris eigentlich ne wurst isst

in meiner kindergartenspielgruppe gab es einen kleinen hänfling namens friedburr. sein vater kam aus amerika, seine mutter aus rheinland-pfalz und so war der name ehrerbietung sowohl an den „perry mason“-darsteller raymond burr, als auch an die tradition innerhalb der familie der mutter, in der alle personen friedbert hießen. woher ich das weiß? friedburr erzählte es jedem. je-der-zeit. ein unerträglicher geselle, aber man arrangierte sich. und damit meine ich, ich verprügelte ihn so lang, bis er nur noch wie ein kätzchen schnurrte.

viele probleme regelte ich damals auf diese art. ich war ein sehr dummes kind, weshalb ich auch erst mit 42 jahren in den kindergarten kam. gemeinsam mit dem gleichaltrigen chuck norris. ständig gab er damit an, dass er ein großer hollywoodstar sei und bruce lee gekannt hatte. ich nahm ihm das nicht ab. deshalb pinkelte ich auch beim mittagsschlaf immer in sein bett. warum ich dies ungehindert tun konnte? der betreuer unserer gruppe ließ mich, denn er war mein sohn: eine enttäuschung mit dem namen hartz 4. seine drei älteren brüder – hartz heinz, hartz2o und hartz trocken (eigentlich hartz dry, aber den namen akzeptierte das standesamt nicht) – waren erfolgreiche teebeutelvertreter, die den seeweg nach indien wiederentdeckten und schon gandhi kannten. oft saß ich mit ihnen zusammen, trank wirsingtee, sinnierte über sinn und unsinn von sinnlichkeit mit frauen und malte dabei sinnentleerte sinuskurven in die luft. aber chuck norris. wenn chuck norris also wieder einmal nach dem mittagsschlaf in einer urinlache erwachte, und ich ihn in meiner mir eigenen sprache auslachte, kam es stets zu einem handgemenge: die anderen kinder gaben mir high fives. chuck norris warf mir daraufhin meist einen seiner bösen blicke zu, die am mir allerdings verpufften, weil ich unfähig war, mimik zu lesen.

in den malstunden fabrizierte chuck norris auch immer nur bilder von sich selbst, in denen er einen roundhousekick aus seinem bart heraus machte. so ein schwachsinn. das sagte ich ihm auch. er laberte dann nur immer irgendwas von wegen „eines tages werden leute davon erzählen und dann kennen alle meinen namen!“ und malte in seinen vollgepissten strumpfhosen auf dem kleinen plastikstuhl direkt neben friedburr sitzend weiter.

in der knetstunde dann wollte ich ihn einmal unglaublich clever reinlegen: ich verformte ein braunes, längliches stück knete zu einem braunen, länglichen stück wurst und wartete bis zum kuchenessen, wo ich diese wurst dann auf seinem teller platzierte und gleichzeitig auf meinem eine richtige – damit er keinen verdacht schöpfte. ich prostete ihm mit meiner warmen milch zu und biss in meine – seltsamerweise etwas chemisch schmeckende – wurst. er tat dasselbe und verschlang sie. auf einmal fingen friedburr und er an zu lachen und da realisierte ich es: er hatte mit friedburrs hilfe die würste vertauscht, sodass chuck norris in dem moment, als ich dachte, dass es sich um knete handelte, eigentlich eine wurst aß. um mir dennoch nichts anmerken zu lassen, spülte ich die restliche knete mit einem großzügigen schluck aus der uhu-flasche herunter und riss mir daraufhin das hemd vom leib, um auf meiner haarigen brust zu trommeln. sogleich begannen die anderen kinder „hakuna matata“ zu intonieren und der kopf von hartz 4 hatte sich in den eines ebers verwandelt, der in tenorstimmlage in den kanon einstieg. die fenster öffneten sich, vögel kamen hereingeflogen, setzten sich auf meine schultern und klatschten mit ihren flügeln applaus für die regenbogenfontäne, die aus meinem mund schoss. zwei elfen, die eine bahre trugen, betraten die waldlichtung und leuchteten mir mit einem strahl puren goldes in die augen.

als ich auf der intensivstation erwachte, saßen friedburr und chuck norris neben meinem bett und beschnipsten mich mit popeln. ich erkannte, dass die triebfeder meines handelns viel zu lang menschenhass gewesen war und änderte mich von grund auf. ich beschloss, mich von nun an als 28jähriger mann namens  doktor konrad tornado auszugeben und das leben adipositiv zu sehen. direkt im krankenzimmer entschuldigte ich mich noch bei friedburr. anschließend versprach ich chuck norris, fabelgeschichten über ihn im internet zu verbreiten und beschloss, meine erlebnisse aus der kindergartenzeit niederzuschreiben und weiterzugeben.