Ich weiß nicht genau, wie ich zu meinem Humor kam.

Als Kind war ich, soweit ich mich erinnere, nie sonderlich lustig. Aber die Menschen in meinem Umfeld nahmen das Leben immer leicht. Obwohl sie in einem „totalitären Regime“ lebten. Ich bekam das nicht mit, nur, wie sie redeten. Sie klangen komisch. Kann das Sächsisch gewesen sein. Oder das Gelächter.

Pittiplatsch. Erna kommt. Der Sandmann. Kinderserien. Auch nichts, was ich meinem Therapeuten gegenüber als den großen Wendepunkt darstellen würde.

Dann sah ich sehr viele Cartoons. Wirklich viele Cartoons. Morgens vor der Schule „Lucky Luke“ und da ich ein Schlüsselkind war, rannte ich direkt nach der Schule nach Hause und stürzte mich auf das Nachmittagsprogramm. Blödsinn wie „Sledge Hammer“.

„KEINE ANGST, ICH WEISS, WAS ICH TUE!“

Und „Lustige Taschenbücher“. Ich verschlang sie wie ein Bekloppter, zerrte meine Mutter jeden Sonntag auf den Flohmarkt an der Siegessäule, um neue zu kaufen, durchwühlte die Stände mit den Comics. Nie genug. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, die Geschichten tatsächlich gelesen zu haben, aber da ich noch ein paar Handlungsstränge im Hinterkopf habe, muss ja irgendwas hängengeblieben sein. Okay.
Spirou&Fantasio. Gaston. Das Marsupilami. Graf Rummelsburg. Tim&Struppi. Alles mögliche. Alles im Rahmen einer Nerdkindheit normale Lektüren.

Die Leihbücherei war mein Zuhause in dieser Zeit. Neben Comics gab es da auch Schallplatten. Otto-Schallplatten. Die hörte ich wieder und wieder und lachte.

„SIE WOHNEN SEIT 10 JAHREN AN DER AUTOBAHN – HABEN SIE IRGENDWELCHE SCHÄDEN DAVONGETRAGEN? NEEEEEIN! NEEEEEEEIN NEEEEEEEIN!“

Später habe ich dann wirklich viele Standup Comics angeschaut. Dave Chappelle, Jerry Seinfeld, Greg Giraldo, George Carlin, Louis CK, Chris Rock, Katt Williams, Aziz Ansari, Paul Salomone und lauter andere Leute, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Wenige deutsche Komödianten. Atze Schröder, Mario Barth, Kaya Yanar, Serdar Somuncu. Und die auch immer unter handwerklichen Gesichtspunkten – wie bauen sie Witze auf, haken sie einfach nur Pointen ab oder erzählen sie eine Geschichte?

Aber das begleitet mich und ist im Grunde auch kein Ansatz. Ein professioneller vielleicht. Kein privater. Nichts davon erklärt, wieso ich mich ständig hinter dieser Mauer aus Zynismus verstecke, hinter der mich nur Alkohol, Liebe oder Langeweile hervorlocken können.

Gesund wäre vermutlich, diese Mauer nur im Schreiben zu bauen, im realen Leben aber ein total zugänglicher und jeden Sachverhalt ernsthaft darlegen könnender, distinguierter Gentleman zu sein. Wer ist heutzutage schon gesund.

Intelligenz verleitet zu Zynismus. Das Gefühl zu haben, doch nichts ändern zu können, aber trotzdem zu wissen, was als Nächstes passiert, macht zynisch. Ein natürlicher Schutzmechanismus, der davor bewahrt, ständig in Tränen aufgelöst, brüllend vor den Regierungsgebäuden dieser Welt zusammenzubrechen. Es gibt Themen, die erlaube ich mir nicht mehr. Ich lese nichts mehr über den Hunger und die Kriege auf der Welt. Ich bin nicht stark genug dafür. Ich kann mich davon emotional nicht distanzieren. Die sind nicht „da“ und ich bin „hier“. Die sind du und ich woanders. Ich will nicht, dass es dir schlecht geht.

Also mache ich Witze. Witze sind nur Worte. Es wird nie mehr als das sein. Wenn Menschen sich von meinen Witzen angegriffen fühlen, denke ich schlecht über sie, fühle mich ihnen geistig überlegen, weil sie scheinbar nicht in der Lage sind zu abstrahieren, dass das doch „alles nur ein Spaß ist“. Wie auch. Sie erfahren das nie, müssen das im Laufe der Zeit annehmen und sehen es in Andeutungen auch immer mal wieder bestätigt, aber nie explizit vermittelt. Dieser Text ist ein Versuch.