Wenn man in den letzten anderthalb Jahren in Bus oder Bahn unterwegs gewesen ist, hat man sie gesehen – Menschen mit Internettelefonen, die ununterbrochen darauf starren und detaillierte Informationen zu ihren aktuellen Tätigkeiten („Stehe gerade in der U-Bahn und starre ununterbrochen auf mein Internettelefon LOL“) in die gesamte Welt hinausposaunen. Es ist, als wäre neben Telefonnummern, Fotos und Musik mittlerweile ihr Leben in der Cloud. Das „Willst du mit mir gehen?“-Zettelchen ist dem Facebook-Beziehungsstatus gewichen, der Himmel nur noch so schön wie ihn ein Instagram-Filter macht und die Antwort auf „Zu dir oder zu mir?“ kennt anscheinend nur noch Google.

Wohin das führt? Man sitzt in einer gemeinsamen Runde, könnte wunderbar tiefgründig über das Wetter referieren, Verschwörungstheorien aufstellen über die Verbindungen der Wettervorhersagemafia zur Regenschirmherstellungsyakuza und, wenn man es konsequent weiterspinnt, zu den Gore-Tex-Triaden, aber nein, alle 2,5 Minuten wird überprüft, ob man bei yappy angestupst wurde und muss andere Personen, die in exakt demselben Moment wahrscheinlich ihrerseits einer Wetterverschwörungstheoriendiskussion aus dem Weg gehen, darüber auf dem Laufenden halten, was man gerade tut („Bin immer noch asozial und schreibe dir, dass ich immer noch asozial bin, anstatt mit den Leuten hier über die wirklich wichtigen Dinge zu reden.“).

Das ist Aids. Ich bin ja auch so. Ich mag Spielzeug. Aber genau das sind diese Telefone. Und genau so sollte man sie auch behandeln. Wie Spielzeug. Spielzeug verwendet man, wenn man allein ist und sich langweilt. Man hat also 2 Optionen – entweder man sucht sich interessanteren Umgang oder man teilt den Spaß der Internettelefone, indem man sich Furzgeräusche-Apps installiert. Das ist ja auch nix Neues. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute damals, als gerade die Dinosaurier erfunden wurden, in ihren Höhlen saßen und sie anstatt über die Wettervorhersagemafia („Morgen wird’s eher Uga, mit geringer Wahrscheinlichkeit auf Uga.“) zu diskutieren lieber mit einem Tyrannosaurus Rex herumspielten. Der kann nicht einmal High Fives!

Deshalb: Geht doch mal aus dem Internet. Ich sage ja nicht, dass ihr in einem Minirock und ohne jemanden davon zu unterrichten mitten in der Nacht durch den Vergewaltigungswald laufen solltet. Aber mal mehr so mit Menschen. Also denen, die euch gerade ihre Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Direkt neben euch. Weil klar, die Taube auf dem Dach ist immer interessanter und ihre letzten 3 Tweets waren echt lustig, aber der Spatz in eurer Hand hat ein Fickloch. Und das ist doch, worauf es ankommt.

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