In meinem tiefsten Inneren, also direkt neben dem Bereich in meinem Gehirn, der mich einmal pro Stunde an Sex denken lässt, habe ich Katzen nie verstanden. Sie haben Angewohnheiten, die wir keinem Menschen zugestehen würden, riechen unangenehm, verteilen ihre Haare überall und beißen, wann, wie und wohin sie wollen. Noch dazu scheint es in der Katzenwelt ein Spiel zu geben namens „Ich schubs deinen Scheiß jetzt einfach vom Tisch, beobachte mich dabei, Nutte“.

Würde man beispielsweise die Katzenangewohnheit der Selbstreinigung auf einen WG-Mitbewohner übertragen und ließe man dabei außen vor, dass die Worte „WG-Mitbewohner“ und „Reinigung“ so absurd unpassend zueinander erscheinen wie deine Mutter und Sex, für den kein Geld fließt, dann bleibt da nur ein sehr, sehr haariger Typ – vermutlich Spanier – der auf dem Sofa neben dir liegt, aus irgendeinem Grund ziemlich gelenkig ist und seinen gesamten Körper inklusive Schritt und Kimme mit dem Mund reinigt. Und der dir dann einfach so übers Gesicht leckt. UND DIE GESELLSCHAFT VERLANGT DANN VON DIR, DASS DU DAS SÜSS FINDEST! Das verstehe ich nicht.

Der Geruch ist mir egal. Als Mensch rieche ich auch unangenehm, wenn ich mein ganzes Leben noch nie ein Deo benutzt habe und mein Körper dicht bewachsen ist. Also zumindest kann ich mich in Araber hineinversetzen. Ich kann das verstehen.

Das mit den Haaren auch, ich hab schonmal mit einer Frau zusammengewohnt. Klar, ich hätte für das Ertragen gern immer Sex, aber man hat nur eine Mutter. Versteh ich.

Etwas gegen dieses Beißen zu sagen fällt mir schwer, da ich nicht weiß, ob Menschen in Katzenaugen wie riesige Hamburger aussehen. Oder Schilder mit der Aufschrift „Bitte wiederholt in Füße oder Hände beißen, idealerweise wenn Schnarchen zu hören ist“. Also nur bis zu den Knien. Bebeinte Schilder mit dieser Aufschrift, denen in regelmäßigen Zeitabständen zielscheibenförmige Hände wachsen, die Futter in Näpfe füllen. Kann ich bisschen verstehen, bis zu meiner Umerziehungstherapie sahen „Menschen“ für mich genauso aus.

Was ich aber beim besten Willen überhaupt nicht verstehe: Diese ganzen Konventionen, an die wir uns im Umgang mit Katzen halten.

Wir kastrieren sie. Also wir lassen sie kastrieren, wenn wir keine Tierärzte sind. Ob Tierärzte ihre eigenen Katzen kastrieren, weiß ich nicht. Könnte es aber verstehen, wenn sie es nicht tun – das wäre ja wie die eigenen Kinder zu verprügeln. Warum wir das tun, ist mir aber unklar. Um unsere komplette Dominanz der Katzenrasse zu demonstrieren? „Fickt euch, ihr pflanzt euch ab jetzt nicht mehr fort.“? Und dann, wenn wir sie von einem Experten leerschaben ließen, einfach so, weil „man das mit Katzen eben macht“, erwarten wir, dass sie so tun als wäre das schon okay gewesen und ja auch in ihrem Sinne. Dieser Argumentation folgend könnte ich meiner Freundin den Unterkiefer abnehmen lassen, falls ich der Meinung bin, dass es langfristig gesehen besser wäre, wenn sie weniger redet. Bestimmt wäre sie dann auch viel handzahmer und würde weniger beißen. ABER DA VERLANGT DIE GESELLSCHAFT DAS EINHALTEN IRGENDWELCHER GESETZE!

Wir geben ihnen Namen, die Stigmen sind: Kitty, Tiger, Sylvester. Schwingt da der Wunsch mit, die eigenen Katzen eine Stripperlaufbahn einschlagen zu sehen?

Wir erfinden Katzenklos, die so funktionieren, dass Katzen in ihrer eigenen Kacke stehen müssen, wenn sie kacken wollen. So sehr ich den demütigenden Aspekt verstehen kann, würde man das doch eigentlich niemandem antun, für den man auch nur den geringsten Funken Respekt besitzt. Ich hab nichts gegen Katzenkloerfinder, aber in der freien Wildbahn suchen Katzen doch auch nicht nach einem Haufen, auf den sie sich stellen können, bevor sie einen produzieren. Nicht einmal die aus Rumänien. Werd ich wohl nie verstehen.

Was ich für genau eine Woche verstand: Katzen im Internet. Als meine Katze neu war, habe ich alles gefilmt, was sie tat. Ungefähr so wie damals, 2013, als ich das erste Mal beim Duschen meinen Penis sehen konnte und fortan jeden Tag ein #Pelfie schoss. Und genau wie 2013, als ich dann eine Zeit lang regelmäßig Penisse googelte, weshalb Google mich immer noch für einen katholischen Priester hält und mir ständig Werbung für Kindertagesstätten einblendet, konnte ich während dieser Woche die ganzen Katzenvideos verstehen. Nur ging diese Woche irgendwann vorbei und die Katzenvideos hörten nicht auf. Ich wünschte, es gäbe für jedes Video, das eine Katze in ihrem Alltag zeigt, eines von Menschen, die einfach nur dastehen und gucken. Einfach nur gucken.

Naja. Ich werde Katzen und unseren Umgang mit ihnen wahrscheinlich nie verstehen. So gesehen sind sie wie alle Frauen in meinem Leben. Nur weniger behaart.