General Orloff verließ gerade das Anwesen seines Halbbruders General Motors, als sein Telefon klingelte. Leider konnte er es nicht hören. Nicht nur wegen der Kriegsverletzung seines Großvaters, die diesen dazu brachte, allen neugeborenen Nachkommen seiner Familie direkt nach der Geburt mit einer heißen Nadel in die Ohren zu stechen, um diese gehörlos zu machen, sondern auch, weil er kein Mobiltelefon hatte und sein Festnetztelefon viele Kilometer entfernt war. Wäre er zuhause gewesen, hätte er die Warnung erhalten, dass „Die Pranke des Todes“ auf dem Kontinent war.
„Die Pranke des Todes“ war seit frühester Kindheit im Leben Generals, noch laaange bevor sich dieser im Belgienkrieg in der Armee zum Rang des Generals hochdiente. Doch nach einem blutigen Gefecht auf den Waffel-Höhen, bei dem General General Orloff dem damals noch zweihändigen Peter Ranke die rechte Hand abschlug, wurde ihr Schicksal besiegelt: Sie waren von nun an Todfeinde.
In einem komplizierten medizinischen Eingriff ließ sich Peter Ranke eine Eisenhand an den Stumpen, der früher einmal seine rechte Hand war, kleben und wollte von allen nur noch „Die Pranke des Todes“ genannt werden. Da ihn niemand ernst nehmen konnte – die Hand hatte die Größe einer Barbie-Hand und war nur bei sehr genauem Hinsehen erkennbar – wurde dieser Name auch immer nur mit Anführungszeichen ausgesprochen.
„Die Pranke des Todes“ war also auf dem Kontinent und gewillt, General Orloff heimzuzahlen, was dieser ihm einst auf den Schlachtfeldern Belgiens angetan hatte. General ahnte nichts von der Gefahr, in der er sich befand, da er noch damit beschäftigt war, an der Busstation vergeblich auf seinen Zug zu warten. General Orloff war kein schlauer Mann, aber er konnte Befehle befolgen und Männern die Hände abschlagen. Gut, er konnte diese Befehle nicht hören und nahm einfach immer nur an, dass diese lauteten, keine Gefangenen zu machen und allen feindlichen Soldaten die Hände abzuschlagen, aber er war dabei stets so eifrig, dass man ihm das nicht ausreden wollte – ein guter Soldat war ein guter Soldat und im Händeabschlagen gab es niemanden, der General Orloff das Wasser reichen konnte. Oder sich das auch nur traute. Vielleicht mit einem langen Metallstab hinschieben. Mit der Stange im Mund. Die Hände hinterm Rücken. Gaaanz vorsichtig.
Nach wenigen Stunden gab General auf und beschloss, sich auf eigene Faust in Richtung Heimat durchzuschlagen. Auf dem Parkplatz hatte er seinen Wagen abgestellt, in den er sich zu diesem Zweck setzte, doch leider hatte er dem Auto die Handbremse abgeschlagen und konnte es deshalb nicht fortbewegen. Viele Minuten verbrachte er damit, sich sehr sehr stark anzustrengen und es wirklich zu wollen, dass sich der Wagen auch mit abgeschlagener Handbremse fahren ließ, doch er scheiterte. Enttäuscht stieg er wieder aus, DOCH WER STAND DA PLÖTZLICH VOR IHM? „Die Pranke des Todes“! Sofort holte „Die Pranke des Todes“ zu einem Schlag aus und erwischte General damit voll, er ging zu Boden, „Die Pranke des Todes“ stürzte ihm sofort hinterher, um weiter auf ihn einzuschlagen. Beide wälzten sich nun wie frisch Verliebte auf dem Boden, überall Staub.
An der Stelle wird es aufgrund des Staubes ein wenig unübersichtlich, zwischendurch ist deutlich ein „AUA!“ und so etwas wie ein Handabtrennungsgeräusch zu hören, aber erst als sich der Staub legte, wurde klar, was passiert war: General Orloff hatte „Die Pranke des Todes“ erneut die Hand abgetrennt! Triumphierend reckte er mit seiner Hand das Barbie-Händchen von „Die Pranke des Todes“ in die Luft, während der nun wohl wieder unter „Peter Ranke“ firmierende „Die Pranke des Todes“ am Boden lag und seinen Stumpen umklammerte.
– Hey, falls du dir jetzt wieder einen dümmlichen Namen ausdenken willst – wie wäre es mit „Hand Solo“?
– Ich werde sie töten, Orloff. Ich werde sie töten. Mit meinen eigenen…mit Händen!
Generall Orloff applaudierte daraufhin, indem er die „Die Pranke des Todes“ abgeschlagene Hand gegen seine prallen lassen.
– Nein.
Der General trat mit einem Bein auf den Bauch der vormaligen „Die Pranke des Todes“, griff sich seine beiden Arme und zog daran. Mit einem Ruck trennten sich beide Arme vom Oberkörper.
– FATALITY! GENERALL ORLOFF WINS!
Direkt nach diesem Ausruf wurde es sehr still. General Orloff, die vier Arme eben noch zum Sieg in die Luft gereckt, ließ diese herabsinken und betrachtete den am Boden liegenden Peter Ranke.
– Auuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu.
– Winke Winke.
Generall Orloff unterließ die Hilfeleistung, setzte sich in seinen Wagen und stöpselte das Barbiehändchen von „Die Pranke des Todes“ auf die Handbremse. Passte. Er löste die Handbremse und fuhr los. In Leipzig war gerade eine Handelsmesse, bei der er aufräumen wollte.