Du wirst nie glauben, was ein Autor macht — bei Schritt 2 hätte ich fast den Verstand verloren! Ein weiser Mensch sagte einmal

Drogen sind nämlich echt super.

Nein, Kids, das war Spaß.

Der kreative Prozess ist für Außenstehende manchmal unverständlich. Jeder begegnet ihm anders. Er ist aber ein Prozess und es gibt genügend schlaue Dudes, die sich darüber schon Gedanken gemacht haben. Ich bin aktuell Autor, deshalb kann ich nur erzählen, wie das beim Schreiben ist.

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Typen, die Planer und die Runterschreiber, die einen sind eher Kopfmenschen, die nicht zu schreiben beginnen können, bevor sie nicht genau wissen, was der Höhepunkt in Akt 3 ist und von welcher Marke das Messer ist, mit dem der Antagonist ermordet wird. Die anderen sind die Bauchmenschen, die “einfach so drauf los schreiben”.

Ich bin Bauchmensch, deshalb verfahre ich meist planlos und schreibe einfach los. Der Mensch mit dem schönsten Haupthaar nach Brad Pitt — Bastian Held-ist ein Kopfmensch. Beide Herangehensweisen führen zu Ergebnissen. Laut Wikipedia führt die geplante Vorgehensweise häufiger zu besseren Ergebnissen, aber die planlosen Schreiber haben die besseren Peniswitze in Nebensätze — die statt mit Kommas mit pulsierenden, venenumrankten Gedankenstrichen eingeleitet wurden — eingebaut.

Aber selbst, wenn man vollkommen planlos einfach nur schreibt, ohne sich groß Gedanken über den Aufbau des finalen Textes zu machen, so geht dem eigentlichen Schreiben eine Planung voraus. Es ist, wie zuvor schon angedroht, ein Prozess.

1. Die Planung

Die Planung sieht bei jedem anders aus. Die einen scribbeln sich in Moleskines, wie oft und wem gegenüber sie am jeweiligen Tag schon erwähnt haben, dass sie ein Moleskine besitzen und, ob derjenige wusste, ob man es “Mohlskinn” oder “Mohlskein” ausspricht. Zusätzlich noch jeden weiteren Fitzel, der ihnen an dem Tag zuflog. Egal, was. Später sortieren sie diese Gedanken und bauen daraus eine Struktur für das Buch oder den Text, den sie dann zu schreiben gedenken. Die Planung ist erst abgeschlossen, wenn der Rahmen steht und, ganz wichtig, klar ist, wie der Text/das Buch endet.

Als planloser Autor besteht die Planung bei mir aus dem Überlegen einer Überschrift. “Ein Dinosaurier mit einer Erektion” — diese Geschichte erzählt sich doch von selbst! “RATATATATA: Das gefährlichste Buch der Welt” — vollkommen klar, dass Markus Lanz hier irgendwann in einer Bahlsen-Fabrik von einem Mann mit einem 20m langen rechten Arm ermordet wird! Die Überschrift, das Thema, irgendwas, das gegen das Licht gehalten als grobes Motiv oder Thema wahrgenommen werden könnte und schon kann es losgehen.

2. Das Schreiben

Hier unterscheiden sich die beiden Typen vermutlich nicht sonderlich. Da ich die geplante Vorgehensweise selber mehrfach versucht habe, kann ich hier nur den Eindruck wiedergeben, dass der Kopfmensch es in diesem Part deutlich schwieriger hat, weil er Anfangs- und Endpunkt ja bereits definiert hat und diese beiden nun miteinander verbunden muss. Ein bisschen wie Impro-Theater mit klarer Vorgabe, was in Minute 3 passiert und an welcher Wand das Gehirn des Bösewichts am Ende des Schlussaktes kleben wird. Der Autor wird zu seiner eigenen Marionette, je besser er in Schritt 1 vorgegangen ist, desto leichter fällt ihm Schritt 2. Kann ich überhaupt nicht.

Der planlose Schreiberling hatte beim Überlegen der Überschrift ja bereits Bilder im Kopf, nun Kopfhörer auf, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht und lässt den Text einfach passieren. In seinem Kopf hangelt er sich von Wort zu Wort und die Sätze entstehen, wohin er als Nächstes abbiegt, entscheidet allein sein Bauchgefühl. Mit der Zeit entwickelt er ein Gespür für die Struktur. Und so. Aber selbst der größte Bauch rettet den Bauchmenschen nicht vor Schritt 3.

3. Korrekturlesen und -schreiben

Der Kopfmensch hat durch seine gute Vorarbeit in Schritt 1 dafür gesorgt, dass er hier weniger logische Schritte ausmerzen und im Grunde nur an der Sprache feilen muss. (Bitte korrigiert mich in den Kommentaren, wenn ich damit danebenliege, so war es zumindest bei meinen Versuchen mit dieser Vorgehensweise.) Das macht er im Idealfall so wie der Bauchmensch auch: indem er sich den Text vorliest. Hier wird deutlich, ob der Text einen guten Fluss hat, Marcel Reich-Ranicki bezeichnete das als Gradmesser, “ob sich der Text gut liest”. Und natürlich Rechtschreib- und Grammatikfehler. Brrr.

Der Bauchmensch hat in Schritt 2 runtergeschrieben und dabei vermutlich nicht darauf geachtet, ob er in den Fällen oder Erzählperspektiven gesprungen ist, ob die Figuren irgendwie Sinn machen und ob das Thema am Ende dasselbe war wie das, womit er den Text oder das Buch begann. Hier besteht das Überarbeiten also aus denselben kleinen Aufgaben wie beim Kopfmensch, aber zusätzlich muss er noch ne Menge inhaltlich polieren.

Irgendwann ist ein Text dann fertig. Der ist dann selber Teil eines kreativen Prozesses, nämlich dem des Autors. Beim Schreiben ist das anders als beim Fussballspielen, man hat nicht nur 10 gute Jahre, nein, man schreibt bis an sein Lebensende. Und genau so lang wird man auch immer besser. Zumindest technisch. Zumindest rede ich mir das ein.