Als ich letztens löffelnd mit Mutti auf dem Sofa lag und „Bauer sucht Frau“ sah, wurde mir bewusst, dass ich vermutlich niemals Gangsta Rapper sein werde. Es gibt eine Plethora von Gründen, weshalb das so ist. Zuerst der offensichtlichste – ich kenne das Wort „Plethora“. Und besitze ein Phremdwörterlexikon mit lauter schwierigen Wörtern, die mit „P“ beginnen. (Man kann jetzt leider in der phorgetragenen Phersion nicht sehen, dass das Wort „Phremdwörterlexikon“ mit „Ph-“ am Anfang geschrieben ist und so geht da jetzt eine großartige Pointe verloren. Pointe. Hm.)

Abgesehen davon verfüge ich einfach über ein unfassbar beschissenes Zeitmanagement. Ich könnte zwischen all dem Keinfickgeben niemals Zeit fürs Mütterficken freischaufeln. Und das Realkeepen! Und Gangzeichen mit den Händen machen! So viele Pflichten. Phlichten. (Ok, das ist kein Phremdwort.)

Als Erstes müsste ich ja, weil ich in Berlin wohne, dem Abou-Chaker-Clan mein ganzes Geld geben, könnte mich dann aber wahrscheinlich nicht zusammenreißen, lauter Chaka-Khan-Witze machen und spätestens beim zweiten „Ain’t Noboooody, love me be-etterrrr“ hätte ich ein Messer im Hals. Doof. Auch ohne Ph.

„Sonnenbankflavour“ käme bei mir nie auf. Nicht einmal „Parkbankflavour“. Vielleicht „Postbankflavour“ und ich würde mit den Zinsen meines Sparbuches angeben. Ich glaube aber nicht, dass „1-1-1-1-1 Cent pro Jahr, Bitch!“ eine Hook ist, die Erfolg in den Charts verspricht. Wieso ich bei einer Bank bin, die mir auf mein Sparbuch weniger Zinsen zahlt als ich mit dem Einsammeln einer Phandflasche einnähme, verrate ich an dieser Stelle mal nicht. Aber ich kann zumindest preisgeben, dass die Entscheidung, mein Geld bei der Postbank anzulegen, postschlau war. (Hhhhhhh)

Sollte ich die Klippe der Chaka-Khan-Witze irgendwie umschiffen können, wäre ich nun immerhin mit der wichtigsten Währung eines jeden Gangsta Rappers ausgestattet: Street Credibility. Als Nächstes bräuchte ich einen Boxerschnitt. Ein Boxerschnitt setzt voraus, dass man sich die Haare an den Seiten und hinten komplett abrasiert. Eventuell hätte ich jedoch genau dort eine Tätowierung, die das mit der Street Credibility wieder zunichte machen würde. Eventuell handelt es sich hierbei um ein Phallussymbol und einen Text, wie sehr ich dieses mag. Eventuell steht dieses Phalussymbol für einen tatsächlichen Phallus. Eventuell ist dieser Phallus nicht meiner. Eventuell hätte ich kämpfen lernen sollen, bevor ich mir im Jugendknast eine Zelle mit Bubba teilte. So oder so sind das sehr viele Eventualitäten und als Gangsta Rapper braucht man harte Fakten. Was schießt einem als Erstes in den Kopf, wenn man „Harte Fakten“ hört? Richtig, Schwänze. Als Gangsta Rapper müsste ich ununterbrochen von meinem absurd gigantischen Schwanz erzählen. Das Problem: Selbst mit einem wirklich geschickten Konstrukt aus mehreren Vergrößerungsspiegeln ist es mir bisher nicht gelungen, diesen zu sehen. Eine Zeitlang beschäftigte ich kleinwüchsige Schweizer Uhrmacher, die montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr mit ihrer Vergrößerungsbrille vor meinem Schritt rumstanden und suchten, aber auch die wurden nicht fündig. Verdammte Schweizer!

Und dann wäre da noch die Gewalt. Jeden abzustechen oder zu erschießen, der meine Gang frontet. Mit diesem Satz habe ich mehrere Probleme. Ich kann kein Messer halten, ohne mich daran zu schneiden und wie ein kleines Mädchen zu weinen. Nicht Gangsta. Ich kann keine Pistole bedienen, weil meine Finger zu dick sind, um zwischen Abzugsbügel und Abzug zu passen. Keine Chance, Gangsta zu sein. Und meine Gang sind nur Mutti und ich. Irgendwie Gangsta, aber mit so viel Erklärungsbedarf versehen, dass es das schon wieder nicht ist – die ersten drei Alben können nicht nur davon handeln, dass ich erkläre, wie Gangsta Mutti ist.

Das Thema Schmuck und Tätowierungen war nach den ganzen Perlenhalsbändern, die ich im Jugendknast von Bubba erhielt und der Kopftätowierung ebenfalls keines.

Zu guter Letzt hätten wir die Kleidung. Die Hose, die ich gerade trage, ist die größte in Deutschland legal erwerbbare Baggy Pants. (Anmerkung des Autors: Die Hose sitzt sehr eng.)

Um es kurz zu fassen: Ich bin weiter Backuprapper für Mutti und wir ficken Mütter.

(Foto: Pets Adviser (CC BY 2.0/Flickr))