CSI Neukölln: Mit der Pistole zum Stierkampf erscheinen

Ich bin zu sehen. Verschiedene Orte, immer dieselbe Schnellfickhose. Im Hintergrund läuft irgendeine Melodie. Irgendne Olle wird eingeblendet, lacht in die Kamera, ihr Name erscheint. Nie gehört von. Irgendein Typ im Kittel hält einen Erlenmeyerkolben hoch und mustert den Inhalt, wieder irgendein unbekannter Name. Ein Typ im Anzug schreit irgendeinen anderen Typen an. Den Namen hab ich irgendwo schonmal gehört. Die Musik wird leiser. Jetzt steht da „CSI Neukölln“.

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Ein regnerischer Freitag, ich werde zum Hermannplatz gerufen. Schüsse fielen, ein Spanier starb. Mal wieder. Die Cervezanostra – die spanische Mafia – hatte scheinbar ein weiteres Opfer gefordert. Ich zünde mir eine Zigarette an und betrete den Tatort. Ein Wachtmeister führt mich zur Leiche. Meine Vorahnung bestätigt sich: Sie ist tot.

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Sie ist tot, sage ich dem Wachtmeister. Ja, antwortet

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Ja, antwortet er, dieser Spanier ist so tot wie Xavis Fussballkarriere. Wir lachen beide professionell in unsere wunderschönen Schnurrbärte, treten einen Schritt zurück und betrachten den Toten. Der Wind pfeift durch meine Schnellfickhosen und umspielt meinen ungewaschenen Schwanz. Schon irgendwelche Spuren gefunden, frage ich den Wachtmeister. Nein, antwortet er, aber mir fällt gerade auf, dass es stark nach ungewaschenem Schwanz riecht. Wie Xavis Fussballkarriere, sage ich.

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Ich stehe in der Gerichtsmedizin und starre irgendeinem Mann im Kittel auf die Zähne. Ist das Brokkoli? Es sieht aus wie Hulk-Ejakulat. Es fällt mir schwer, doch ich konzentriere mich auf seine Worte, weil ich ein Profi bin. Die 47 Schüsse ins Gesicht töteten ihn sofort, sagt er. Ich werde hellhörig. 47? Hatten wir es vielleicht doch nicht mit einem Werk der Cervezanostra, sondern mit Südneuköllnern zu tun? Sind sie sicher, frage ich. Ja, antwortet er, ich habe das zwei Mal gezählt.

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Die Gropius-Passagen sind kein schöner Ort, wenn man die Gropius-Passagen nicht schön findet. Ich befrage dort Pablo Pikdamo, den Betreiber der spanischen Bar „Celona“. Er wisse nichts von einer Schießerei, sagt er. Ich erkenne sofort, dass er lügt, weil ich ein Profi bin. Wir haben im Anus des Toten ein GPS-Gerät gefunden, das uns direkt zu ihnen geführt hat, sage ich. Lügen haben kurze Beine, sagt er. Diese Schnellfickhosen sind eine Nummer zu groß, antworte ich, die waren im Angebot.

DOMM DOMM

Der Staatsanwalt stellt ein großes, staubiges Buch zurück in ein Regal voller großer, staubiger Bücher, setzt sich in seinen Ledersessel und schüttelt den Kopf. Dieser Fall, sagt er, ist keiner, solang ich ihm keine stichhaltigen Beweise liefere. Ich verstehe, was er meint und denke dabei an das Messerset, das ich neulich nachts auf QVC sah. Diese stichhaltigen Beweise, sage ich, werde ich ihm liefern – in drei bis fünf Tagen.

DOMM DOMM

Es ist Samstag, in Neukölln regnet es noch immer und ich stehe erneut auf dem Hermannplatz vor einem toten Spanier. Der Wind weht durch meine Schnellfickhosen, lässt mich die Kälte spüren und die anderen am Tatort meinen ungewaschenen Schwanz riechen. Irgendwelche Spuren, frage ich. Leider frage ich zu leise und niemand hört es. IRGENDWELCHE SPUREN, frage ich lauter. Nein, antwortet mir eine der Polizisten, aber die Leiche liegt im direkten Blickfeld einer Überwachungskamera, vielleicht hat sie den Täter ja aufgenommen.

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Wenn ich das Bildmaterial hochskaliere und hart abjizze, kann man in dieser Großaufnahme das Gesicht des Täters deutlich erkennen, klugscheißert irgendein Typ mit Brille und weißem Kittel. Ich erkenne das Gesicht: Pablo Pikdamo.

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Ich verlasse gemeinsam mit dem Staatsanwalt, der eine schwer wirkende Aktentasche trägt, irgendein Gebäude, das ein Gerichtsgebäude sein könnte und lache kontrolliert professionell in meinen wunderschönen Schnurrbart. Den, sage ich, haben wir erfolgreich bei den Hörnern gepackt.