Coffee-to-go ist nicht Gangsta

Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit sehe ich sie in der S-Bahn: Menschen mit einem Coffee-to-go in der Hand. Und jeden Morgen frage ich mich dasselbe: Wieso?

Es gibt zwei Gründe, wieso Menschen morgens in der S-Bahn einen Coffee-to-go trinken. Keiner von ihnen ist Gangsta, jeder aus anderen Gründen.

Da gibt es den augenscheinlichsten Grund: Menschen trinken Kaffee auf dem Weg ins Büro. Das ist aus mehreren Gründen nicht Gangsta. Erstens: sie haben einen Job. Weniger Gangsta als ein normaler Bürojob ist nur die Junge Union. Zweitens: Kaffee zählt in einem Bürojob als leistungssteigernde Substanz, der Weg zum Büro ist aber nicht das Büro selbst, die Einnahme dann also höchst ineffizient. Echte Gangsta sind das Paradebeispiel für Effizienz und können dich auf 17 verschiedene Arten ermorden, wenn sie nur 1 Schuss abgeben. Natürlich könnte diese Coffee-to-go-Menschen auch der Irrglaube leiten, dass Coffee-to-go in der S-Bahn gerade Gangsta sei, weil sie den Kaffee ja jederzeit ins Gesicht eines anderen Fahrgastes kippen könnten, aber wer einmal morgens in Berlin S-Bahn gefahren ist, wird wissen, dass eine solche Behandlung für die meisten Menschen, die dann unterwegs sind, ein Upgrade für ihr aktuelles Aussehen bedeuten würde.

Der etwas weniger augenscheinliche Grund: Gangsta fahren keine S-Bahn. Außer, wenn sie aus dem Gefängnis auf dem Weg zurück nach Hause sind. Aber das wären sie nur, wenn sie von niemandem abgeholt wurden, weil sie 31er und damit nicht Gangsta sind. Niemand gangbangt mit einer Kurzstreckenkarte. Gangsta rennen nicht vor Kontrolleuren weg. Gangsta geben keine Personendaten an. Gangsta bleiben nicht zurück, bitte.

Solang er nicht umfirmiert als Coffee-to-cribwalk verkauft wird, bleibt Coffee-to-go nicht Gangsta.

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